Baldaccini César († 1998) Some content is only in german available
César Baldaccini, als Sohn einfacher Eltern aus der Toscana am 1. Januar 1921 in Marseille geboren, hatte dort die École des Beaux Arts besucht und war 1942 nach Paris gekommen. Als mittelloser Student der Pariser École des Beaux Arts arbeitete er in einer traditionellen Bildhauerklasse, wohnte unter dem Atelier von Alberto Giacometti, gewann Preise, besuchte Brancusi und Picasso. Der exemplarische Werdegang des Naturtalentes ging vom soliden Handwerk aus und durch die akademische Lehre hindurch. Am Weg zum Star in der Kunstszene standen Patriarchen der klassische(n) Moderne.
Von Anfang an verstanden sich die Nouveaux Réalistes als programmatische Gruppe unter der intellektuellen Regie des Kunstkritikers Pierre Restany. Der 39jährige César hatte sich mit seinen Plastiken aus geschweißtem Alteisen auf internationalen Ausstellungen bereits einen Namen gemacht: 1956 auf der Biennale in Venedig, 1957 auf den Biennalen in São Paolo und Carrara sowie in der Hanover Gallery in London, 1958 im Carnegie Institute Pittsburgh und auf der Weltausstellung in Brüssel, 1959 auf der 2. documenta in Kassel und in der Galerie Claude Bernard in Paris, wo das Vernissage-Publikum die Rue des Beaux Arts verstopfte. ›Sein Ruf des mondänen Clowns wächst im Verhältnis zu seinem künstlerischen Ruf in geometrischer Progression. Sein südländisches Temperament spritzt ihm aus allen Poren‹, schrieb Restany über seine Rolle im ›Pariser kulturellen Ghetto‹ der ausgehenden 50er Jahre.
Durch puren Zufall sei er mit seinen Kompressionen zu den jüngeren Nouveaux Réalistes gestoßen und habe deren Manifest nachträglich unterzeichnet, da es eine gemeinsame Idee über die direkte Aneignung der Realität gab. Während die Kritik den Kunststatus der industriell gepreßten Autowracks bezweifelte, sei ihm erst durch Restany bewußt geworden, dass die Compressionen alle Bedingungen des ›Objektes‹ erfüllten und dass eine progressive Linie vom Fahrrad-Rad Duchamps von 1913 zu den hydraulisch zerquetschten Autos von 1960 führe, vom Ready-made zum Objet-plus als ›modernste Geste der Plastik des Jahrhunderts‹ (Restany). Im Rückblick lassen sich die Texte zur Durchsetzung der letzten Avantgarde als Vorgeschichte ihrer Hagiographie lesen.
›Ich habe das wirklich nicht in diesem Sinn gemacht. Ich gehörte vielmehr zur Familie der Vergangenheit, im Rückgriff auf Ägypten und noch weiter auf die Primitiven, auf all das, was sich mit dem Religiösen zeigt, wo es eine Übertragung gibt, eine Angst, eine Präsenz.‹ César betonte in jedem Interview, wenn auch nicht ohne Eloquenz, er sei kein Intellektueller, sondern Handwerker, geleitet durch seine Emotion und durch die ›Logik des Materials‹. ›Ich kann heute noch nicht sagen, ob die Kompression wie das Ready-made eine Grenzgeste ist.‹ ›Ich bin ein Bildhauer in der Tradition. Ich bin – wie sagte meine Mutter – Michelangelo oder Rodin. Ich bin zugleich Duchamp oder Man Ray.‹ Rodin und Duchamp: ›Das ist übrigens der Maßstab für seine wahre Dimension. |
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