Adriana Mafalda Grass-Marques. "Ich hätte Künstlerin werden können."

Adriana Mafalda Grass-Marques
«Ich hätte Künstlerin werden können.»
17. Juni bis 7. Oktober 2012


Im Kabinett des Kunst(Zeug)Hauses wird zum ersten Mal das
Werk der Künstlerin Adriana Mafalda Grass‐Marques (1928–
2012) einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die
Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der Mezzanin Stiftung
für Kunst entstanden, in deren Sammlung die Künstlerin ihren
Nachlass gelegt hat. Gezeigt werden vor allem Collagen aus
den 1960er und 1970er Jahren, die eng mit der Biografie der
Künstlerin verknüpft sind. Die Formate erlaubten ein Arbeiten
am Küchentisch und thematisieren unter anderem das Span-
nungsfeld in dem sie sich als Künstlerin, Ehefrau, berufstätige
Mutter und Hausfrau bewegte.

Grass suchte im künstlerischen Ausdruck den Dialog mit dem
Betrachter. Zeichnung, Collage und Fotografie bilden komple-
mentär mit den sprachlichen Wort‐ und Textschöpfungen eine
Einheit. Diese Assoziationen zu wichtigen Lebensmomenten
und Gefühlsstimmungen können von den Betrachtern unab-
hängig von biographischen Kenntnissen über die Künstlerin
interpretiert werden. In der Ausstellung ist auch die von der
Künstlerin geschaffene Originalvorlage zu „Quattro passi fra
le nuvole“ (Vier Schritte in den Wolken) in der Vitrine ausge-
legt, ein kleines Buch mit Texten, Zeichnungen und Collagen.
In diesen kurzen Texten und Werktiteln erweist sich Adriana
Grass auch als Sprachkünstlerin. Sie hat das Werk ihrem Mann
gewidmet, konnte es aber aus finanziellen Gründen nicht dru-
cken.
Die Mezzanin Stiftung für Kunst hat diese Vorlage als Faksimile in einer neuerscheinenden,
zweibändigen Publikation herausgeben, die sich dem Leben und Werk von Adriana Mafalda
Grass‐Marques widmet. Autor ist der Bündner Kulturwissenschaftler Chasper Pult.
Die in Poschiavo und Scuol aufgewachsene Adriana Marques heiratete 1955 Paul Grass aus
Pontresina, einen Mitstudenten an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Während vier Sommern
waren sie in den 1950er Jahren als Hüttenwarte der Georgy‐Hütte auf dem Piz Languard tätig.
Anschliessend war er als freischaffender Künstler in Zürich tätig, während sie für den Familien-
unterhalt mit den zwei Kindern verantwortlich war. Schon zu jener Zeit entstanden erste Farb-
stiftzeichnungen. Später widmete sich die Künstlerin immer mehr den Collagen, in denen sie
oft den bildnerischen Ausdruck auch mit ihren drei "Muttersprachen" Italienisch, Romanisch
und Deutsch verband. Erst bei der künstlerischen Gestaltung am Neubau der Bündner Frauen-
schule entdeckte die Öffentlichkeit diese Künstlerin, deren Werk zeitlebens ein Schattendasein
geführt hatte. 1997 erhielt sie den Anerkennungspreis des Kantons Graubünden. Adriana Grass
hat einmal gesagt: "La vita è affascinante, ma non facile". Das Fehlen eines Freiheitsraums,
vielleicht auch mangelnde Unterstützung und Ansporn verunmöglichten eine frühere Anerken-
nung ihres künstlerischen Werkes.
Die Künstlerin kann die Eröffnung ihrer ersten öffentlichen Ausstellung im Kunst(Zeug)Haus und
die Buchpräsentationen nicht mehr erleben. Sie starb am 22. Mai 2012 im Alter von 84 Jahren.

Publikation:
Die Mezzanin Stiftung für Kunst gibt eine zweibändige Publikation
über Leben und Werk von Adriana Mafalda Grass–Marques heraus,
die in der Ausstellung erhältlich ist.
Wir Grenzgänger, 1960er Jahre, Collage, Mischtechnik auf Papier, 50 x 70 cm
Ohne Titel, ohne Jahr, Graphit auf Papier, Collage, 2 Blätter à 42 x 30 cm
Die zertanzten Schuhe, ohne Jahr, Collage, Mischtechnik auf Papier, 50 x 37.5 cm
... al di là, 1983, Collage, diverse Materialien auf Papier, 30 x 25 cm
Ohne Titel, ohne Jahr, Collage, Mischtechnik auf Papier, 25 x 30 cm